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SAKRALE KUNST

Anton Lehmden und die sakrale Kunst

Prof. Dr. Werner Jobst

Anton Lehmden‘s Beziehungen zu den Weltgegenden der Antike, zu Ägypten, Italien, Anatolien sind sehr intim. Er lebte als junger Künstler in Rom und Istanbul und bereiste die Länder am Mittelmeer, studierte deren Landschaften, Kultur- und Geistesgeschichte und ließ sich in seinem künstlerischen Schaffen auf die Reflexion des Altertums ein. Lehmden ist unter den Begründern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus der einzige Künstler, der die Archäologie der alten Welt in sein Werk aufnimmt und im Verfall der Architektur die unausweichliche Vergänglichkeit des Lebens thematisiert.

Von Konstantinopel/ Istanbul, wo er 1962 bis 1963 an der Akademie der bildenden Künste (Mimar-Sinan- Universität) lehrte, nimmt jene Werkgruppe ihren Ausgang, die in den bisherigen Studien und Würdigungen seines Schaffens noch nicht mit der gebührenden Deutlichkeit bekannt gemacht wurde – die Arbeiten sakraler Kunst in der Türkei, in Istanbul und in Österreich.
In seiner Istanbuler Zeit lernte Lehmden auch das Österreichische St. Georgs Kolleg kennen und baute eine freundschaftliche Beziehung zu den Superioren der Schule auf: zu Franz Oitzinger, Ernest Raidl, Erst Leitgeb, Dietmar Neumann und Franz Kangler.
Es ist die Zeit der liturgischen Erneuerungsbewegung im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils . Im Zuge dieser Neuorientierung entschlossen sich die Lazaristen, das architektonische und künstlerische Erscheinungsbild der Kirche St. Georg radikal zu verändern und dem neuen Geist in der Kirche anzupassen.

Der in byzantinisch- barocker Tradition präsentierte Kirchenraum sollte einerseits einer Art „Purifizierung“ unterzogen werden. Die Patina und der Geschmack des 19. Jahrhunderts sollten aus dem Gotteshaus verbannt werden. Andererseits sollten in liturgischer Weise neue Möglichkeiten für die gemeinsame Feier des Gottesvolkes geschaffen werden, wie sie vom Zweiten Vatikanum angeregt wurden.
Anton Lehmden übernahm den Auftrag , ein neues Konzept der Innenarchitektur und künstlerischer Gestaltung zur Ausführung zu bringen, ein Projekt, das sich über Jahre hinzog und technisch wie inhaltlich immer wieder überarbeitet und verbessert wurde.
Der gesamte gemalte und in unechtem Stuck gefertigte Bildschmuck an Gewölben, Gurtbögen, Pendentifs, Säulen, Pfeilern und Kapitellen wurde abgenommen. Hochaltar und Seitenaltäre wurden mit ihrer Bildausstattung ebenso entfernt wie die Orgelempore, das Presbyterium wurde um 30cm abgesenkt.
Fußböden und Wände wurden von Lehmden nun zum Großteil mit hell- bis dunkelgrau gemaserten Marmorplatten verkleidet, eine Dekorationsweise, welche auch an die islamischen Moscheen der Stadt erinnern kann. Den neuen Volksaltar, den Tabernakel mit Altaraufbau, den Irenenbrunnen und das Taufbecken gestaltete Lehmden in schlichten Formen ebenfalls aus Marmor neu.
Den besonderen Reiz seines Werkes in Karaköy macht jedoch das in Öl gemalte Ensemble der religiösen Bilder und das Kuppelmosaik aus, mit welchen er der neu gestalteten Georgskirche eine ganz besondere Note verlieh, wie man sie am Goldenen Horn sonst nicht antrifft.

In der Nachfolge des Kirchenprojektes von St. Georg hat Lehmden vor allem aufgrund seiner guten Beziehungen mit den österreichischen Lazaristen Bilder zur Ausstattung der katholischen St. Michaelskirche in Athen geschaffen und im gegenwärtigen Provinzhaus der Lazaristen in Wien VII, Kaiserstraße 7, die Vinzenzkapelle in großartiger weise ausgestaltet. Außer den Glasfenstern und der Einrichtung beeindruckt dort vor allem das monumentale Fresko der Altarwand, das eine Fläche von 8 mal 6 Meter einnimmt. Darüber hinaus gestaltete er die – heute nicht mehr existierende – Kapelle des ehemaligen Provinzhauses in Graz mit Werken eines Gekreuzigten, Bildern der Gottesmutter und des hl. Vinzenz sowie einer Serie von Kreuzwegbildern. Diese Werke befinden sich heute als ständige Leihgaben der Lazaristen im Schloss Deutschkreutz.

Ein Schwerpunkt seines sakralen Schaffens wurden ebenfalls in der Nachfolge von St. Georg die Pfarrkirche Deutschkreutz und die Schlosskapelle von Deutschkreutz .

Ein Spätwerk seiner religiösen Kunst ist schließlich in der Pfarrkirche St. Nikolaus von Wien-Inzersdorf zu finden, wo Lehmden einen in der Tradition von St. Georg und Deutschkreutz stehenden Kreuzwegzyklus mit insgesamt 15 Bildern zur Verschönerung des Gotteshauses geschaffen hat.

 

Pfarrkirche Deutschkreutz

Von Jänner 1973 bis Juni 1974 erfolgte der Umbau der Deutschkreutzer Pfarrkirche, Anton Lehmden lieferte sämtliche Entwürfe für die großzügigen Umgestaltungs- und Erweiterungsarbeiten. Er entwarf die eindrucksvollen Zubauten, den neuen monumentalen Stiegenaufgang, die Altäre, die Kirchenbänke, Fenster und Türen u.a.m.

Künstlerisch verewigte er sich damals in einem großen Mosaik der Arche Noah an der Hauptfassade, in sechs Glasfenstern und in dem Standbild „Madonna im Weinberg“.

1996-98 schuf Anton Lehmden den Kreuzweg auf 14 Tafeln aus weißem Carrara Marmor. Im Jahr 2000 schließlich kamen sechs weitere große Glasfenster hinzu, die Oberlichten und einige weitere kleine Fenster womit das Projekt „Lehmden Kirche“ nach 28 Jahren beendet werden konnte.

Pfarrkirche St. Nikolaus

Anton Lehmden gestaltete in St. Nikolaus 1980-1981 die Glasfenster und 1999 kamen neue gemalte Darstellungen des Kreuzweges hinzu, wobei der Künstler die unübliche 15. Station der Auferstehung Christi hinzufügte.

St. Georgs Kirche, Istanbul
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Vinzenzkapelle Wien

Pfarrkirche Deutschkreutz

Pfarrkirche St.Nikolaus